Die absoluten und relativen „Meistbeanstander“ des Jahres 2018

GOZ-Statistik 2018 einer berufsständischen Abrechnungsgesellschaft

Das in der Vergangenheit regelmäßig veröffentlichte Ranking der „Beanstander“ von Privatrechnungen berücksichtigte bis 2012 nur die absolute Zahl der Fälle, die zur Bearbeitung eingingen. Damit ist für die Praxen u. A. die Wahrscheinlichkeit abschätzbar, auf Einwände der unterschiedlichen Erstatter zu treffen, wobei es da auch noch deutliche Unterschiede gibt, was die Zahl der einzelnen Beanstandungsthemen je Fall anbelangt.

Spitzenreiter sind hier die AXA und die Hallesche Krankenversicherung mit durchschnittlich drei Einzelthemen je Fall, die oft sehr ins Einzelne gehen bzw. ins Kleinliche abgleiten. Die Tabelle Nr. 1 gibt Auskunft, wie oft man allgemein bei Erstattungsproblemen etc. auf bestimmte Versicherungen stößt: Das ist bei großen Versicherungen i.d.R. häufiger der Fall. Es wird hier eine Gegenüberstellung des Rankings von 2017 zu 2018 vorgestellt, gemäß den absoluten Zahlen von Beanstandungsfällen durch diese Versicherungen:

Tabelle Nr. 1 „Meistbeanstander“ nach Fallzahlen © ZA AG

 

Interessant wäre für Versicherte die Kenntnis, welche namhaften PKV-Unternehmen ganz unten im Bereich der Beanstandungsquote rangieren?

Da wird aber ein Problem dieser Statistik (Tab. 1) evident, nämlich der unberücksichtigte Einfluss der Versichertenzahlen auf die Gewichtung der Beanstandungen, also die Beanstandungsquote.

Deshalb ist die folgende Tabelle 2 – verbunden mit ziemlichem Rechercheaufwand – wohl von höherem Interesse: Dort wird die Rangfolge der Erstatter nach Zahl der Beanstandungen im Verhältnis zu der Zahl der Krankenversicherten gewichtet und in eine entsprechende Reihenfolge gebracht, wieder im Vergleich des Jahres 2017 mit dem Jahr 2018. Dazu wurden die Versichertenzahlen möglichst genau nachgepflegt, die von der PKV jedoch häufiger zurückgehalten oder schwer verwertbar angegeben werden:  

Tabelle 2: Ranking der Versicherungen in Abhängigkeit von der Anzahl der Beanstandungen bezogen auf die Zahl der Versicherten (Beanstandungsquote) © ZA AG

Mit Hilfe dieser Relationierung wird deutlich, dass die Beanstandungsquote der einzelnen Erstatter (Post/Beihilfe und PKV) sich deutlich unterscheidet und die Rangfolge der „Meistbeanstander“ sich dadurch gegenüber Tabelle 1 erheblich ändert. Die Allianz z.B. kommt 2018 gar nicht mehr „in die Ränge“ bei den „Meistbeanstandern“, wohingegen sie bei den absoluten Zahlen wegen ihrer Größe immerhin noch den 11. Rang einnimmt; die Allianz hat sowohl absolut als auch relativ einen „großen Sprung“ getan.

Die oft negativ aufgefallene frühere CSS, jetzt Advigon Versicherung, die bei den Beanstandungszahlen bezogen auf die Versichertenzahlen erstaunlicherweise in 2016 gar nicht unter den ersten Zwanzig auftauchte, relationierte im Jahr 2017 wieder deutlich verschlechtert auf Platz Nr. 10 und in 2018 auf Platz 8 in Richtung Spitze der Meistbeanstander.

Diese Tabelle weist fünf „Neueinsteiger“ auf, die erstmals oder wieder dort unter den 20 prozentualen Meistbeanstandern vertreten sind. Große Schritte weg vom verhältnismäßigen Meistbeanstander haben die Allianz, die Union Krankenversicherung und die Central KV gemacht. Der stetig negative Weg der Halleschen Versicherung zum erstrangigen PKV-Meistbeanstander im Laufe der letzten Jahre hat sich fortgesetzt.

Ohne Beanstandungen und das Gegenteil

Die an sich interessanten letzten Ränge sind in der Aussagekraft unsicherer geworden, da Geschäftsberichte gerade bei diesen wenig aussagefreudig sind. Und es sind dort Versicherungen angesiedelt, die zwar noch unter eigenem Namen auftreten, aber z.B. nur noch einen Altbestand an Kunden haben oder unter dem Dach einer bekannten „Mutter“ immer weniger aktiv sind (z.B. Deutscher Ring bei Signal Iduna).

Bei der Gothaer, mit wieder verringerter Quote auf Platz 6 und der Beihilfe nur noch auf Platz 4, ergibt sich daraus eine verbesserte Positionierung, nicht so bei der LVM, Debeka, Nürnberger und Süddeutschen (SDK) sowie der Bayrischen Beamten KV mit größeren Sprüngen in eine vordere, negative Position. Solche Sprünge ergeben sich oft bei Änderung der Geschäftspolitik, gelegentlich wegen Problemen auf der Kosten- bzw. Ertragseite der Erstatter.

Nicht spiegeln kann auch diese Rangfolge die Tatsache, dass sich hinter einem Mutterunternehmen zwei oder sogar drei Krankenversicherungsunternehmen verbergen, so z.B. die DBV zugehörig zur AXA, die UKV zur Bayrischen Beamtenversicherung bzw. Versicherungskammer Bayern etc.

Perspektive

Eine weitergehende Statistik, welches Unternehmen längst widerlegte Beanstandungen routinemäßig immer wieder vorträgt (Beanstandungsreflexe), welche PKV`en völlig unbeeindruckt von jedweder Erklärung Rückläufer trotz Klarstellungen produzieren und wer die Versicherten mit angeblich tariflich vereinbarten Nichterstattungen im Nachhinein überrascht (Sachkostenlisten etc.), wäre von hohem Interesse. Es wurde ein Anfang gemacht mit Statistiken, welche Versicherung z.B. die meisten Rückläufer bzw. zweiten Beanstandungsschreiben produzieren:

 

© ZA AG

In diesem Ausschnitt der Fallstatistik des Jahres 2018 widerspricht die Württembergische der Rechnung in jedem fünften Fall nochmals, die Barmenia in jedem zehnten Fall, obwohl die Abrechnungsweise erklärt und als zutreffend und verordnungskonform dargelegt wurde.

(Zahlen mit freundlicher Genehmigung der der ZA AG, Düsseldorf: Die mit Sorgfalt erhobenen statistischen Zahlen des Jahres 2018 basieren auf einer hohen Fallzahl, die aus einer weit höheren Zahl von bearbeiteten Rechnungen resultiert. Die Zahlen sind dennoch nicht unbedingt repräsentativ, da es regionale Schwerpunkte und Besonderheiten im Rechnungsaufkommen gibt.)

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